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Wasserwirtschaft

Maßnahmenkatalog

Symboldbild MaßnahmenkatalogFür den Maßnahmenkatalog werden Möglichkeiten für einen nachhaltigen Umgang mit der kostbaren Ressource Wasser gesucht. Für die ersten Themenbereiche Landwirtschaft, Wasserrückhaltemaßnahmen und grundwasserabhängige Ökosysteme sollen Anfang des Jahres 2024 fachspezifische Arbeitsgruppen eingerichtet werden.

Die bisher geplanten Themenbereiche:

Landwirtschaft

Mit etwa 81 % der Gesamtentnahmen ist die Landwirtschaft der größte Nutzer des Grundwassers. Es sollen Möglichkeiten zu Wassereinsparungen analysiert werden. Beispielsweise sollen der Umgang mit dem Boden, der Anbau geeigneter Kulturen sowie die Bewässerungsarten betrachtet werden.  

Der Boden und seine Bearbeitung

Der Boden und seine Gesunderhaltung sind essentiell für eine erfolgreiche Wasserversorgung der Kulturen. Um die Wasserverfügbarkeit im Boden aufrecht zu erhalten, braucht es resiliente Anbausysteme mit hoher Bodenfruchtbarkeit. Minimale Bodenbearbeitung und Bodenruhe, Mulchen und Direktsaatverfahren, ganzjährige Bodenbedeckung und Zwischenfruchtanbau sowie die Förderung des Aufbaus von Humus und des Bodenlebens sind nur einige Möglichkeiten, die für einen wassereinsparenden Umgang mit dem Boden sprechen.

Anbau geeigneter Kulturen

Durch die Wahl von angepassten Kulturen und Sorten sollen Möglichkeiten gefunden werden, Einfluss auf die Widerstandsfähigkeit gegenüber Wassermangelsituationen zu nehmen. Auch die Fruchtfolge, der Einsatz von Untersaaten und alternative Anbausysteme wie etwa das Agroforstsystem sollen beleuchtet werden.

Bewässerung

In der internationalen Betrachtung sind zahlreiche Bewässerungsverfahren bekannt. Die Vor- und Nachteile dieser Bewässerungsarten sollen analysiert werden. Nach DIN 19655 von 11/2008 werden folgende Bewässerungsverfahren unterschieden:

Mikrobewässerung: Tropfbewässerung (oberirdisch und unterirdisch) und Sprühbewässerung

Beregnung: Reihenregner, teilmobile Beregnungsmaschinen (Kreisberegnung, Linearberegnung) und mobile Beregnungsmaschinen (mit Regnereinzug, mit Düsenwagen, mit Maschinenvorschub)

Zusätzlich soll die Steuerung der Bewässerung entsprechend der Wachstumsstufen der Feldfrüchte ein Thema sein und es sollen die Eckpunkte, wie das Design und die Steuerung von Mikrobewässerung und Düsenwagen, behandelt werden. Hierzu sollen auch Erkenntnisse aus internationalen Forschungsprojekten genutzt werden.       

2. Wasserrückhaltemaßnahmen

Bisher ist das Wasserressourcenmanagement im Landkreis Lüchow-Dannenberg generell darauf ausgelegt, das Wasser möglichst schnell aus den Flächen heraus zu leiten. Bei der Neuaufstellung des Wassermanagements muss für die trockenen Zeiten möglichst viel Wasser zurückgehalten werden, aber gleichzeitig sind die Wassergesetze und der Hochwasserschutz zu beachten.

Ein großer Anteil der Entwässerungsgraben wurde zur Entwässerung der Flächen in den Niederungsbereichen angelegt, um die landwirtschaftliche Bewirtschaftung zu ermöglichen. Um die Entwässerung möglichst schnell vorzunehmen, wurden die Entwässerungsgräben häufig tiefer eingebracht. Die angepasste Gewässerunterhaltung könnte entgegenwirken.

Die Modellierung soll helfen, die Zusammenhänge besser zu verstehen und Verbesserungsmöglichkeiten in den Entwässerungssystemen aufzeigen. In einigen Entwässerungsgräben sollte eine Erhöhung der Sohle stattfinden. Andere Gräben könnten geschlossen oder in Einzelfällen auch vollständig zurückgebaut werden. Ein gelegentliches Überstauen von Flächen muss in einzelnen Bereichen in Kauf genommen werden. Da der Landkreis auch von Hochwasser betroffen ist, muss gleichzeitig der Abfluss übermäßigen Wassers gewährleistet sein, um Schäden zu vermeiden.

Es sollen verschiedene Methoden der Wasserrückhaltung betrachtet werden. Neben Stauanlagen und Sohlgleiten sind Maßnahmen wie die Renaturierung von Fließgewässern, Auenbildung an Fließgewässern, Wiedervernässung von Mooren und die angepasste Gewässerunterhaltung möglich. Bei einem in Mäandern verlaufendem Fließgewässer braucht das Wasser eine deutlich längere Zeit, um den Bereich zu durchfließen. Dadurch entsteht Zeit für den Austausch mit dem Grundwasser und das ganze System wird stabilisiert. Allerdings ist die Renaturierung nicht in allen Gewässern möglich.

Eine weitere Maßnahme wäre die Einrichtung von Speicherbecken. Dies hängt jedoch stark vom verfügbaren Wasser zur Füllung dieser Becken ab. In den letzten Jahren ist der Abfluss in den Fließgewässern stark zurückgegangen, so dass selbst die Abflüsse in den Winterhalbjahren nicht ausreichten, um diese Becken füllen zu können.

3. Grundwasserabhängige Ökosysteme

Der Schutz der grundwasserabhängigen Ökosysteme ist im Wasserrecht verankert. Diese Ökosysteme haben für die Menschen sehr wichtige Funktionen, die als Ökosystemleistungen beschrieben werden können, als Beispiel sei die Reinigung des Wassers genannt.

Weiterhin haben intakte Ökosysteme wie Fließgewässerauen, Moore, Feuchtwälder oder andere grundwasserabhängige Biotop die Fähigkeit, Wasser in feuchten Zeitabschnitten zu speichern. In trockenen Zeiten können sie ihre Umgebung mit Wasser versorgen. Bei Hochwasser können sie einen guten Retentionsraum zur Verfügung stellen.

Die Fließgewässer benötigen neben einem ökologischen Mindestabfluss auch ein gelegentliches Hochwasser, um die Struktur (Morphologie) aufzubauen und so wechselnde Lebensräume zu bieten. Gewässerrandstreifen haben eine wichtige Funktion, um die Ökosysteme der Fließgewässer vor Schadstoffen zu schützen.

Weiterhin beschreiben die Nationale Wasserstrategie und verschiedene Klimaschutzprogramme, dass die Moore besonderen Schutzes bedürfen. Intakte Moore bilden ein Mikroklima und versorgen die umliegenden Bereiche mit Wasser. Sie können gleichzeitig Retentionsräume für Dürren und Hochwasser darstellen. Zusätzlich ist die Wiedervernässung von Mooren aktiver Klimaschutz. Als Beispiel sei das Püggener Moor genannt, das unterliegende landwirtschaftliche und naturgeschützte Flächen mit Wasser versorgt.

Auch intakte grundwasserabhängige Wälder können umliegend die Temperatur und Feuchtigkeitsowie die Wasserstände stabilisieren.

Neben der Erstellung einer Karte der grundwasserabhängigen Ökosysteme,  soll der Wasserbedarf der grundwasserabhängigen Ökosysteme ermittelt werden. Weiterhin sollen ihre Ökosystemleistungen beschrieben werden, um den Wert dieser Ökosysteme für die Daseinsvorsorge der Menschen zu erfassen. Außerdem können diese Ökosysteme, im intakten Zustand, natürlichen Klimaschutz bewirken, indem sie als Kohlenstoffspeicher dienen.

4. Trinkwasser

Die Trinkwasserversorgung gehört zur Daseinsvorsorge und ist wasserrechtlich anderen Nutzungsarten gegenüber vorrangig dauerhaft sicherzustellen. Im Landkreis Lüchow-Dannenberg bestehen bisher keine Probleme, die Trinkwasserversorgung dauerhaft zu gewährleisten. Etwa 89 % der Bewohner des Landkreises sind an die öffentliche Trinkwasserversorgung angeschlossen.

Für die Erfüllung der Aufgaben der Daseinsvorsorge ist die langfristige Sicherstellung der Trinkwasserversorgung in ausreichender Menge und der Trinkwasserverordnung entsprechender Qualität zu gewährleisten. In anderen Landkreisen Deutschlands bewirkt der Klimawandel Probleme, die Trinkwasserversorgung vollständig aufrecht zu erhalten.

Es sollen Methoden zum Sparen des kostbaren Trinkwassers gesucht werden, insbesondere für die trockenen Zeiten. Zum Beispiel sollte für die Gartenbewässerung gespeichertes Regenwasser genutzt werden. Auch die Nutzung von Grauwasser, z.B. aus Duschen, kann für die Toilettenspülung eine Möglichkeit sein.

5. Industrie und Gewerbe

Zur Schonung der Trinkwassermengen und der knappen Wasserressourcen soll mit Gewerbe- und Industriebetrieben über das Thema Wasserrecycling gesprochen werden. Einzelne Betriebe haben bereits mit Maßnahmen begonnen. Weiterhin ist die Weiterverwendung von leicht verschmutztem Abwasser, z.B. aus industriellem Kühlwasser, denkbar.

6. Hochwasserschutz und Starkregenvorsorge

Der Hochwasserschutz gehört ebenfalls zur Daseinsvorsorge der Menschen. Der Landkreis Lüchow-Dannenberg ist durch Hochwasser in der Elbe, der Jeetzel, der Seege, des Aland und der Dumme gefährdet. Zusätzlich wird prognostiziert, dass Starkregenereignisse und intensive Dauerregen zunehmen werden, wodurch ebenfalls Hochwasser abseits der Hochwasserschutzmaßnahmen entstehen könnte. Die vorhandenen Hochwasserschutzmaßnahmen und Entwässerungssysteme sind darauf ausgelegt, das Hochwasser möglichst schnell aus dem Kreisgebiet heraus zu leiten. Durch die Auswirkungen der Dürre der letzten Jahre ist sehr deutlich geworden, dass die Wassermengen im Grundwasser und in den Oberflächengewässern deutlich abnehmen, deshalb sollte überdacht werden, einen verträglichen Anteil eines Hochwasserereignisses zurückzuhalten. Dieses Wasser könnte zur Grundwasseranreicherung oder eventuell, bei Eignung der Qualität, auch direkt für andere Zwecke genutzt werden.

Insgesamt soll für den Hochwasserfall ein Wassermanagement aufgestellt werden, um den schadensfreien Abfluss und gleichzeitig einen möglichst großen Rückhalt des Wassers zu erreichen.

Zusätzlich sollen mit Hilfe des Modells Risikokarten zum Schutz vor lokalen Überflutungen nach Starkregenereignissen erstellt werden. Bei Starkregen können Regenrückhaltebecken und Ansätze des Prinzips „Schwammstadt“ verwendet werden.

Schwammstadt

Das Konzept der Schwammstadt ist ein Zukunftsmodell im Städtebau. Deutschlandweit kämpfen Städte und Kommunen bedingt durch den Klimawandel immer häufiger mit Starkregen und Überschwemmungen. Die Kanalisation ist mancherorts mit den Wassermassen überfordert, wie es am 26. August 2022 nach einem Starkregenereignis in Hitzacker zu sehen war, so dass Keller vollgelaufen sind.

Ein modernes Regenwassermanagement wird für Kommunen immer wichtiger. In diesem Zuge können Flächen geschaffen werden, die in der Lage sind, große Mengen an Wasser aufzunehmen und zeitverzögert wieder abzugeben. Dabei gilt es, Regenwasser möglichst da aufzufangen, wo es anfällt und es genau dort auch dem Wasserkreislauf wieder zuzuführen, nach dem Prinzip der so genannten dezentralen Regenwasser-Bewirtschaftung. Das Wasser wird durch den Boden gereinigt und fließt letztlich dem Grundwasser zu.

Es sollen Ansätze für „Schwammstadt“-Konzepte gesucht werden. Mit diesen Konzepten kann aktiver Hochwasserschutz betrieben werden, weil z.B. bei einem Starkregen mehr Wasser zurückgehalten und versickert bzw. genutzt wird, anstatt die Abflusswellen in den Fließgewässern zu erhöhen. Weiterhin wird die Feuchtigkeit in den bebauten Bereichen ausgeglichen und gleichzeitig werden hohe Temperaturen abgemildert.

Niederschlagsrückhaltebecken können diesen Zweck unterstützen und das aufgefangene Wasser könnte, ggf. nach einer Reinigung, für die Grundwasseranreicherung oder andere Nutzungen zur Verfügung stehen.

7. Grundwasseranreicherung

Eine künstliche Grundwasseranreicherung kann mit verschiedenen Methoden erfolgen, z.B. mit Versickerungsbecken. Ein gezielter nachhaltiger Waldumbau zu Laubmischwald kann eine Grundwasseranreicherung mit guter Wasserqualität, z.B. in Trinkwasserschutzgebieten, darstellen und ist gleichzeitig widerstandsfähiger gegenüber den Auswirkungen des Klimawandels.

Grundwasserbildender Wald

Der Waldzustandsbericht 2022 des Niedersächsischen Ministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz zeigt deutlich, dass die Wälder in Niedersachsen in den vergangenen Jahren durch die Dürrejahre starken Schaden genommen haben. In diesem Bericht wird ebenfalls auf die Klimabedingungen der letzten Jahre sowie auf die Auswirkungen der Waldschäden auf die Gewässerqualität eingegangen. Ebenso wird dargestellt, dass Mischwälder klimarobuster sind als Reinbestände aus Nadelbäumen. Weiterhin ist bekannt, dass Nadelwälder eine höhere Verdunstung aufweisen und somit die Grundwasserneubildung reduzieren, auch im Winter.

Die Mischwälder spielen eine entscheidende Rolle für den Klimaschutz und die Klimafolgenanpassung. Beispielsweise können intakte Eichen wie eine Klimaanlage wirken.

8. Löschwasserversorgung

Auch die Löschwasserversorgung gehört zu der Daseinsvorsorge der Bevölkerung. Durch die Grundwasserabsenkungen wiesen bereits einzelne Löschwasserbrunnen eine eingeschränkte Ergiebigkeit auf. Die Löschwasserbrunnen werden regelmäßig durch die Feuerwehren getestet und bei Bedarf in Stand gesetzt oder erneuert.

Durch den Klimawandel haben sich die Zeiten mit hoher Waldbrandgefahr bereits deutlich verlängert. Zudem stehen viele Bäume durch den Klimawandel, die abgesunkenen Grundwasserstände und die in der Tiefe ausgetrockneten Böden unter Stress und sind dadurch anfälliger für Waldbrand und Schädlinge.

9. Alternative Wasserquellen

Niederschlagswasser

Der Rückhalt von Niederschlagswasser von versiegelten Flächen soll vorangetrieben werden. In einigen Bereichen sollte die Entsiegelung von Flächen vorgenommen werden. Viele Bürger können das gesammelte Wasser von ihren Dachflächen zur Gartenbewässerung nutzen, sodass das kostbare Trinkwasser geschont oder auch die Entnahmen aus Gartenbrunnen verringert werden kann.

Von größeren Hallen könnte das Niederschlagswasser aufgefangen werden, um es weiter zu verwenden.

Andere Wasserquellen

Es soll analysiert werden, ob andere Wasserquellen nachhaltig zur Verfügung stehen. Entnahmen aus Oberflächengewässern stellen sich aufgrund quantitativer und qualitativer Aspekte als schwierig dar. Die Kosten für die Entfernung von bekannten Schadstoffe im Wasser der Elbe und der Jeetzel sind hoch.

Gereinigtes kommunales Abwasser

Im Landkreis Lüchow-Dannenberg sind 14 Kläranlagen in Betrieb. Die größte Kläranlage ist in Lüchow mit 150.000 Einwohnerwerten (EW) zu finden. Die Kläranlage in Gartow-Laasche ist auf 22.000 EW ausgelegt, die Kläranlage Dannenberg/Lüggau auf 20.000 EW, die Kläranlage Hitzacker auf 7.000 EW, die Kläranlage Neu Darchau/Walmsburg auf 4.530 EW und die Kläranlage in Zernien auf 1.000 EW. Die kleineren Kläranlagen sind auf 70 EW bis 80 EW ausgelegt. Die weitere Abwasserbeseitigung erfolgt über mehr als 6.000 Kleinkläranlagen.

Da es aktuell für Kläranlagen nicht gesetzlich verpflichtend ist, einige Schadstoffe aus dem Abwasser zu entfernen, z.B. Medikamentenrückstände, Mikroplastik und Hormone, wird für den Gewässerschutz über die Einführung einer 4. Reinigungsstufe diskutiert. Da entsprechende Verfahren viele Schadstoffe entfernen könnten, wäre eine weitere Nutzung des Abwassers für bestimmte Zwecke denkbar.

Für die gesamte EU ist die Verordnung (EU) 2020/741 über „Mindestanforderungen an die Wasserwiederverwendung“ 2023 in Kraft getreten. Laut der nationalen Wasserstrategie soll sie demnächst in der deutschen Gesetzgebung umgesetzt werden. Dort heißt es: „Aufbauend auf Potenzialanalysen werden Leitplanken für weitere Nutzungen von aufbereitetem Abwasser (zusätzlich zur Umsetzung der EU VO 2020/741) aus Kläranlagen und häuslichem Abwasser entwickelt.“

Falls nähere Informationen bekannt werden sollten oder sogar entsprechende Gesetzesänderungen in Kraft treten, sollen Möglichkeiten der Anwendung in das Wasserversorgungskonzept einfließen.

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